Nach den letzen Wochen und dem sehr schmerzhaften Abschied von meiner geliebten Zaira musste ich den Kopf frei bekommen und meiner trauernden Seele Raum verschaffen. Meine Art der Trauerbewältigung – eine Bergtour mit meiner treuen Seele Milka an meiner Seite.

Ich muss ehrlich gestehen ich hatte Angst vor der ersten Wanderung ohne Zaira. Wusste nicht wie ich empfinden würde und wie ich mit der Situation umgehen sollte. Zugleich wusste ich auch, dass Milka und ich einen gemeinsamen Tag in den Bergen dringend notwendig hatten.

Ich suchte nach einer hundetauglichen Wanderung, die uns konditionell nicht zu sehr fordern würde und wir somit einfach die Zeit in den Bergen genießen konnten. Ausgesucht habe ich eine kleine Geheimtipp-Tour gleich beim famosen Grünen See. Ein Gipfelsieg beim Riko Kreuz sollte es werden.

Kreuzteich – Riko Kreuz – selber Weg retour
Länge gesamt: 6,5 km / Dauer: 2:00 h / Aufstieg: 466 m /max. Höhe: 1.162 m
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Vom Grünen See zum Riko Kreuz

Und so machten Milka und ich uns auf den Weg, um gemeinsam Bergzeit zu genießen und unsere Trauer irgendwie zu spüren, verarbeiten und hoffentlich ein klein wenig zu bewältigen.
Geparkt wurde direkt am Parkplatz Grüner See. Von dort starteten wir los Richtung Kreuzteich. Diesen umrundet man circa zur Hälfte, um bei einer alten Trafo-Station links den Schotterweg abzubiegen. Die wohl größte Herausforderung dieser Wanderung – es gibt keine Markierungen und man muss sich auf seinen Orientierungssinn verlassen können. Gleich nach dem Trafohäuschen geht links weg ein gut sichtbarer und steiler Trampelpfad, der direkt in den Wald führt. Milka genoss die neue Umgebung, die fremden Gerüche und das herrlich, kühle Klima. Denn passend zu meiner Stimmung, zeigte sich auch das Wetter eher trüb. Der Vorteil von eher schlechtem Wetter – die Massen an Touris, die sonst zum Grünen See strömen, blieben dieses Mal aus und wir konnten somit die Ruhe genießen. Beim Bergaufgehen muss man immer die Augen offen halten und nach dem kleine, sehr schmalen Pfad Aussicht halten. Ich kam schon ordentlich ins Schwitzen – zum einen weil es doch recht steil durch den Wald bergauf ging, zum anderen weil der Pfad zwischenzeitlich echt schmal war und es ziemlich bergab ging. Milka ließen die Umstände wie immer kalt. So trittsicher wie meine kleine Berggams ist, kommt sie mit ihren kleinen Pfötchen auch auf schmalen Wegen gut voran. Ich war aber doch ganz glücklich, dass wir heute unser neues Hundegeschirr ausprobiert hatten. Damit konnte ich gewisse sein, sollte sie doch abrutschen, dass ich sie mit dem Geschirr und Leine gut gesichert wusste.

Rundum Panorama am Riko Kreuz

Nach einiger Zeit führte uns der schmale Pfad plötzlich auf eine breite Forststraße. Dieser folgt man ein kurzes Stück. Achtung, der Forstweg gabelt sich und man muss sich links halten. Plötzlich endet der Weg einfach und gut versteckt und dank einem doch markanten Steinmännchen konnte ich wieder einen schmalen Pfad ausfindig machen der uns das letzte Stück nochmals relativ steil bergauf führen sollte.
Allmählich lichtete sich der Wald immer mehr und es wurde steiniger und mehr Geröll kam zum Vorschein. Vorbei an einer seilversicherten Stelle ging es das letzte Stück über reines Geröll die letzten Meter hoch Richtung Gipfelkreuz. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit waren nun gefragt. Zumindest was meine Wenigkeit betraf. Denn Milka meisterte auch das letztes Stück mit Bravour und zeigte dabei nicht einmal Ermüdungserscheinung. Es machte fast den Anschein, als ob das Wetter kurz vor unserem Ziel uns noch einen Strich durch die Rechnung machen wollte. Aber schlussendlich hat der Regen zurückgehalten und wir haben somit das Riko Kreuz doch noch erreicht. Und wie sich die Mühen gelohnt hatten. Die Aussicht war einfach umwerfend und das Kreuz an sich und auch die Positionierung des Riko Kreuz waren einzigartig. Es war für mich ein ergreifender Moment, hat diese Wanderung doch so viele Emotionen mit sich gebracht. Und ich hätte schwören können, da oben hoch am Gipfel, dass ich Zairas Anwesenheit noch ein letztes Mal gespürt habe. Fast so als ob sie uns noch einmal begleitet hat.
Da der Wind uns ordentlich um die Ohren blies, es verdammt nach Regen aussah und Milkas flehender Blick alles sagte, drehten wir rasch um und traten den Rückweg an. Retour ging es für uns die selbe Strecke. Bergauf war schon eine Herausforderung an manchen Stellen, aber das Ganze nochmals bergab, bei leicht nassem Boden, war ziemlich spannend. Geschafft haben wir es dennoch und zwar ohne Ausrutscher oder Schrammen.
FAZIT: Eine kurze Wanderung, die es definitiv in sich hat. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf dem Weg zum Riko Kreuz gefragt. Auch wenn nicht all zu viele Höhenmeter zu bewältigen sind, ist es dennoch eine Wanderung, die ich nur für geübte Wanderer und Hunde empfehlen würde. Die Mühen lohnen sich aber allemal, allein wegen der traumhaften Kulissen. Die Wanderung ist absolut kuhfrei. Natürliche Trinkquellen gibt es nur zu Beginn der Wanderung, dann nicht mehr.